Mobil mit Behinderung – Autos und Autobiografisches unter einem Dach

Radio-Talk, Podcast, Buchmesse, Videodreh, Rotes Sofa beim NDR – und nun auch noch ein Auftritt im Autohaus. Ich bin wirklich angekommen im Leben eines öffentlichen Menschen. Allerdings nicht als Drummer, Sportler, Zahnarztfunktionär oder gar mit einer Kochshow oder einem veralteten Schlager – sondern mit einem gesellschaftlich höchst relevanten Thema, das leider eher selten eine Bühne hat.

Anfang Juni war ich zu Gast bei der Veranstaltung „Mobil mit Behinderung“ im Autohaus Wolfsburg. Gemeinsam mit dem Nutzi-Team konnten wir behindertengerecht umgebaute Fahrzeuge anschauen, ausprobieren und uns über die unterschiedlichsten Möglichkeiten austauschen. Es wurde Probe gesessen, getestet, beraten und gefachsimpelt. Vor allem aber wurde zugehört, was diesen Tag für mich besonders machte.

Viele Besucherinnen und Besucher kamen mit ganz unterschiedlichen Geschichten. Manche standen noch am Anfang eines neuen Lebensabschnitts, andere hatten bereits viele Erfahrungen gesammelt. Es gab Fragen, Sorgen, praktische Tipps und auch die ein oder andere Freudenträne. Vor allem aber schaute ich in viele Gesichter voller Hoffnung oder Skepsis. Beides Voraussetzungen, Menschen zu bekräftigen bzw. noch von etwas zu überzeugen.

Besonders beeindruckt hat mich der Vortrag von Frank Sodermanns. Er zeigte, wie viele individuelle Lösungen heute möglich sind, um Menschen Mobilität, Freiheit und Selbstständigkeit zurückzugeben. Oft sind es technische Anpassungen und Ideen, auf die man selbst nie gekommen wäre, Innovationen, die es massiv körperlich eingeschränkten Menschen ermöglichen, ein Fahrzeug selbst zu steuern oder zumindest bequem und sicher transportiert zu werden.

Für mich hatte dieser gemeinsame Auftritt noch eine zusätzliche persönliche Ebene. Sowohl Frank Sodermanns als auch Steven Klatt begleiten mich bereits seit gut zwei Jahren auf meinem eigenen Weg zu mehr Mobilität.

Kennengelernt habe ich Steven Klatt, Verkaufsleiter im Autohaus Wolfsburg, bei der Umsetzung des Projektes rund ums ALS-Wölfe-Mobil, das mit Unterstützung des VfL Wolfsburg und der Krzysztof-Nowak-Stiftung ermöglicht wurde. Damals erzählte ich Steven von meinen negativen Erfahrungen bei der Suche nach einem geeigneten Fahrzeug für mich selbst. Wer plötzlich auf besondere Mobilitätslösungen angewiesen ist, merkt ziemlich schnell, wie schwierig es sein kann, kompetente Ansprechpartner zu finden, verschiedene Möglichkeiten vergleichen zu können und dabei auch noch fair beraten zu werden.

Über meine eigene Suche nach Lösungen entstand später auch der Kontakt zu Frank Sodermanns. Im vergangenen Herbst saßen wir schließlich gemeinsam im Autohaus zusammen und sprachen darüber, wie sich die Kompetenz eines Fahrzeug-Umrüsters mit einem regionalen Autohaus verbinden ließe. Umso spannender war es für mich nun zu erleben, wie daraus mit „MobilityLive“ tatsächlich ein konkretes Angebot wurde.

Im Interview mit Steven beim kürzlichen Autohaus-Auftritt durfte ich den Zuhörenden Einblicke in mein Leben mit ALS geben. Dabei ging es natürlich auch um Krankheit und Einschränkungen. Aber noch viel mehr ging es um Lebensfreude und Perspektiven, darum, wie wir Menschen trotz schwieriger Umstände unseren eigenen Weg finden können.

Mich hat beeindruckt, wie offen die Gespräche insgesamt an diesem Tag waren. Wie viele Menschen bereit waren, ihre Geschichten zu teilen. Und wie oft an diesem Tag deutlich wurde, dass Mobilität weit mehr bedeutet als von A nach B zu kommen. Mobilität heißt vor allem, Selbstbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Etwas, das für viele selbstverständlich erscheint, für andere aber jeden Tag neu erkämpft werden muss.

Deshalb möchte ich mich bei allen bedanken, die diesen Tag möglich gemacht haben. Bei den Besucherinnen und Besuchern für die vielen persönlichen Begegnungen, bei Frank Sodermanns für seinen ebenso fachkundigen wie praxisnahen Vortrag und beim Team des Autohauses Wolfsburg sowie der neuen Marke MobilityLive für die Einladung und die Organisation. Hervorheben möchte ich an dieser Stelle den Herzenseinsatz von Steven Klatt – für mich der absolute Garant für das Gelingen der Veranstaltung und für all das erfolgreiche Wirken drumherum.

Besonders in Erinnerung bleiben werden mir die Austauschmomente am Rande der Veranstaltung. In ihnen wurde deutlich, dass hinter jedem Hilfsmittel, jedem Fahrzeugumbau und jeder technischen Innovation letztlich immer Menschen stehen – mit ihren Hoffnungen, Sorgen, Plänen und ganz individuellen Lebensgeschichten.

Das Ziel von MobilityLive, Mobilität für alle Menschen möglich zu machen, war an diesem Tag an vielen Stellen erlebbar. Gleichzeitig bleibt für mich die Frage, wie solche Lösungen künftig für möglichst viele Menschen erreichbar und bezahlbar bleiben können. Denn oft sind nicht die technischen Möglichkeiten die größte Hürde, sondern schlichtweg die Finanzierung.

Umso wichtiger sind engagierte Menschen, kompetente Beratung und der ehrliche Wille, gemeinsam nach individuellen Lösungen zu suchen. Genau diesen Eindruck gewann ich an diesem Tag im Autohaus.

Für mich war es ein spannender und bereichernder Nachmittag. Einer, der gezeigt hat, wie viel möglich ist, wenn Erfahrung, Fachwissen, Herzblut, Empathie und gegenseitige Unterstützung zusammenkommen.

Euer Philipp Hanf

#ALSohappy

PS: Vielen Dank wieder mal an Cassandra für die tollen Fotos und das Video!

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